Reflexive Praxisphasen und Schulnetzwerk

Im Rahmen des BMBF-Projekts Qualitätsoffensive Lehrerbildung (2016-2019) wird am Institut für Erziehungswissenschaft seit dem Sommersemester 2017 ein neues Format für das Schulpraktikum I im Lehramtsstudium angeboten. In diesem neuen Format agieren die Praktikant*innen an Partnerschulen in und um Greifswald semesterbegleitend in Tandems und werden  von qualifizierten Peer- und Schul-Mentor*innen begleitet. Info Flyer

Es sollen kooperative Formen der Zusammenarbeit angebahnt und Beteiligungsstrukturen entwickelt werden, wobei die unterschiedlichen Profile und Bedarfe der jeweiligen Schulen die Ausrichtung vorgeben. Perspektivisch soll ein Schulnetzwerk entstehen, das nicht nur die Erprobung unterschiedlicher Varianten des Praxismodells ermöglicht, sondern auch verlässliche Strukturen und eine Plattform für effektiven Erfahrungsaustausch schafft.

Das Potenzial einer engen Verzahnung von pädagogisch relevantem Handlungswissen und Kenntnissen wissenschaftlicher Theorien und Konzepte soll im Sinne einer qualitativen Verbesserung der angeleiteten studienbegleitenden Selbstreflexion und der besseren Professionalisierung zukünftiger Lehrkräfte genutzt werden.

Gestaltung der Reflexiven Praxisphasen

Gestaltung der Reflexiven Praxisphasen

Zielstellung:

Um die Qualität der schulpraktischen Studien durch die Ausgestaltung reflexiver Elemente für Lehramtsstudierende im SP I zu verbessern, bedarf es gut ausgebildeter Mentor*innen. Diese unterstützen die Studierenden während ihres Praktikums multiprofessionell und bilden somit eine Schnittstelle in der Zusammenarbeit zwischen Schule und Universität. Die Entwicklung einer konstruktiven und wertschätzenden Feedbackkultur mit hoher gegenseitiger Akzeptanz ist dabei unabdingbar. Das Mentoren-Programm legt dafür der Grundstein und bietet eine Plattform für den Austausch aller Akteure. Unser erklärtes Ziel ist es auch, Berührungsängste auf beiden Seiten abzubauen.

Die Praktikant*innen im SP I erkunden anhand konkreter pädagogischer Situationen das Berufsfeld Schule, vollziehen einen ersten Perspektivwechsel und reflektieren theoriegeleitet. Sie werden sich subjektiver Theorien in Bezug auf das Praxisfeld Schule bewusst, hinterfragen diese und entwickeln ihr professionelles Selbst weiter. Ebenso stärken sie ihre Selbstkompetenzen und lernen Heterogenität schätzen – und das bereits durch die Arbeit in eigenen heterogenen Lerngruppen.

Neben ca. 30 Stunden Hospitation (Schwerpunkte Schüler-Schüler- und Lehrer-Schüler-Interaktion beobachten und dokumentieren, Interview mit Lehrkräften zur Berufsbiografie) nutzen die Studierenden mindestens 70 Stunden aktive Kontaktzeit. Während dieser erweitern sie auf vielfältige Weise (z. B.  im Rahmen der Ganztagsangebote, Förderung, Pausenaufsicht, Projektarbeit etc.) ihre Kompetenzen im pädagogischen Handeln und entwickeln eine forschende Haltung.

Um die damit verbundene Arbeitsbelastung der Lehrer*innen als Mentor*innen so gering wie möglich zu halten und der Tatsache Rechnung zu tragen, dass diese den Praktikant*innen nie „auf Augenhöhe“ begegnen können, wird auf Peer-Mentor*innen gesetzt. Ob daraus eine befriedigende Partnerschaft für die Beteiligten werden kann, hängt von vielfältigen Bedingungen ab. Diese Gelingensbedingungen sind im Rahmen des Mentoren-Programms von beiden Seiten unbedingt zu klären und partizipativ weiter zu entwickeln.

Peer-Mentoring

Peer-Mentoring

Anforderungen an die Peer-Mentor*innen:

  • Teilnahme an der Qualifizierung zum/r Mentor/in
  • mind. 2 Kontakte mit den Mentees (Studierende im Schulpraktikum I), Kommunikationswege in Absprache frei wählbar
  • mind. 1 Teilnahme am Begleitseminar
  • Besuche in der Schule zusammen mit den Mentees erwünscht

Inhalte des Mentor*innen-Programmes:

  • Mentoringmodelle,
  • Rolle und Leitbild des Mentors,
  • Wahrnehmung und Beobachtung,
  • Selbst- und Fremdreflexion,
  • kollegiale Gesprächsführung und Beratung,
  • Feedbackkultur,
  • Umgang mit Konflikten und schwierigen Situationen, gewaltfreie Sprache und nonverbale Kommunikation

Ziele:

  1. Die Schul- und Peer-Mentoren einigen sich auf gemeinsame Ziele, „Mindest“-Standards und Maßnahmen in der Begleitung der Praktikant*innen.
  2. Sie entwickeln ein Leitbild für gutes Mentoring und ein realistisches Rollenverständnis als Mentor*innen und begreifen sich auch als Lernende in diesem Prozess.
  3. Sie verstehen Rückmeldung als Dialog, können Feedback geben und nehmen.
  4. Sie sind in der Lage, Beobachtungen und subjektive Bewertungen voneinander zu unterscheiden. (Beobachtungs- und Diagnosekompetenz)
  5. Sie kennen professionelle Beratungsformen und können diese nutzen, um selbstverantwortliches Lernen der Praktikant*innen zu unterstützen und deren psychosoziale Basiskompetenzen zu fördern.
  6. Sie kennen und nutzen Gelingensbedingungen für einen erfolgreichen Reflexionsprozess.
  7. Sie können auch mit schwierigen Situationen und Konflikten umgehen, sehen diese als Chance und Entwicklungsmöglichkeit und schaffen ein hohes Maß an Transparenz (Was? Warum? Wie?) bei deren Lösung.

 

Zu diesen Aufgaben sollte ein Austausch über Ergebnisse und Formate erfolgen und somit immanent in die Portfolioarbeit eingeführt bzw. diese genutzt werden.

 

 

Publikationen

Publikationen

  1. Hoferichter, F. (2019). Stressbewältigung bei Lehramtsstudierenden im Schulpraktikum: Peer- Schul- und Tandem- Mentoring im Rahmen der Qualitätsoffensive Lehrerbildung. Journal für LehrerInnenbildung (accepted for publication)
  2. Wulff, T., Volkert, U., Schweder, S., Hoferichter, F., & Raufelder, D. (2019). Mentoring bei der Begleitung von Lehramtsstudierenden in Praxisseminaren und Praxisphasen in der schulpädagogischen Ausbildung. 3. Internationaler Kongress der Gesellschaft für schulpraktische Professionalisierung "Lernen in der Praxis", Graz (Austria). Accepted for presentation.
  3. Hoferichter, F., Lätsch, A., Volkert, U., & Raufelder, D. (2018). Schützt Mentoring vor Praxisschock? Belastungen, Selbstwirksamkeit & Kompetenzen im Schulpraktikum. 83. AEPF, Lüneburg (Germany).
  4. Schweder, S., Hoferichter, F., Volkert, U., Lätsch, A., & Raufelder, D. (2018). Wie Mentoring Aspekte der Professionalisierung von Studierenden während der Praxisphase begünstigt. 83. AEPF, Lüneburg (Germany).
  5. Volkert, U., Hoferichter, F., Lätsch, A., & Raufelder, D. (2018). Die reflexive Praxisphase & Mentoring: Pilotstudie im Rahmen der Qualitätsoffensive Lehrerbildung. Tagung Partnerschulen 2008 "Lehrpersonenbildung gemeinsam gestalten", Brugg-Windisch (Switzerland).
  6. Hoferichter, F., Volkert, U., & Raufelder, D. (2018). Reflexive Praxisphase & Peer-Schul-Mentoring im Schulpraktikum 1. Programm-Workshop im Rahmen der Qualitätsoffensive Lehrerbildung, Freie Universität, Berlin (Germany).
  7. Hoferichter, F., Volkert, U. & Raufelder, D. (2016). Was und wen brauchen Lehrerzentren/Schools für eine innovative und nachhaltige Lehrerbildung? 9. Bundeskongress der Zentren für Lehrerbildung, Rostock (Germany).

Kontakt

Projektbereichsleiterin

Vertr.-Prof. Dr. Frances Hoferichter

Institut für Erziehungswissenschaft

Lehrstuhl Schulpädagogik

Ernst-Lohmeyer-Platz 3, R. 2.16

17489 Greifswald 

Tel.: +49 (0)3834 420-3710

Fax: +49 (0)3834 420-3702
frances.hoferichteruni-greifswaldde

 

Projektmitarbeiterin

Ute Volkert

Studentische Hilfskräfte

Elisabeth Aigner

Paula Finsterbusch

Vincent Neumann