Ergebisse
Das komplexe Zusammenspiel zwischen Lehrkraft-Lernenden-Beziehungen
Lehrkraft-Lernenden-Beziehungen sind vielschichtig und entstehen über die Zeit hinweg durch wiederholte Begegnungen im Schulalltag (siehe auch Hagenauer & Raufelder, 2022). Dabei wirken Beziehungen, Verhaltensweisen und individuelle Merkmale der Beteiligten – wie etwa ihre Motivation, schulischen Vorerfahrungen oder Leistungen – wechselseitig aufeinander ein. Unser BeLL-Modell (siehe Abbildung 1) zeigt, wie diese Faktoren zusammenwirken. Es verdeutlicht auch, dass sich die Beziehung einer Lehrkraft zu einzelnen Schüler*innen von der zur ganzen Klasse unterscheidet.

Vorläufige Ergebnisse
Wirkfaktoren
Viele verschiedene Faktoren – etwa persönliche Merkmale, Begegnungen im Unterricht, aber auch institutionelle Rahmenbedingungen– wirken auf die Lehrkraft Lernenden-Beziehung. Wir wollen herausfinden, welche dieser Faktoren besonders wichtig sind.
Erste korrelative Ergebnisse zeigen
- Wenn Lehrkräfte das Ziel haben gute Beziehungen zu ihren Schüler*innen aufzubauen, schätzen ihre Schüler*innen die Beziehung zu diesen im nächsten Halbjahr besser ein.
- Im Vergleich zu individuellen Merkmalen und institutionellen Rahmenbedingungen, hängt die Qualität der Lehrkraft-Lernenden-Beziehung– insbesondere zur gesamten Klasse – hauptsächlich mit dem Verhalten der Lehrkräfteim Unterricht zusammen. Hier ergeben sich besonders hohe Zusammenhänge mit der sozio-emotionale Unterstützung.
- Von den schulischen Rahmenbedingungen ist vor allem das Schul- und Klassenklima mit der Qualität der Lehrkraft-Lernenden-Beziehung verbunden– wenn auch nur in geringem bis mittlerem Ausmaß.
Auswirkungen
Die Beziehung zwischen Lehrkraft und Lernenden wirkt sich auf ihr Verhalten und Erleben in der Schule aus. Doch es ist noch unklar, welche Aspekte dabei in den verschiedenen Fächern besonders wichtig sind.
Erste korrelative Ergebnisse deuten an:
- Wird die Beziehung zur Lehrkraft als positiv erlebt, steigt die Freude am Unterricht - insbesondere für die Lernenden - im nächsten Halbjahr. Für Lernende ist dabei vor allem die persönliche Beziehung entscheidend, für Lehrkräfte eher die zur gesamten Klasse.
- Eine gute Beziehung wirkt protektiv auf das Erschöpfungserleben im nächsten Halbjahr, insbesondere auf das von Mathematiklehrkräften. Kein Zusammenhang zeigt sich zwischen der Lehrkraft-Lernenden-Beziehung und der schulischen Erschöpfung von Schüler*innen.
- Die Lehrkraft-Schüler*in-Beziehung zeigt leicht positive Zusammenhänge zu den Deutschkompetenzen von Lernenden im nächsten Halbjahr. Vertiefende Analysen mit anderen Dimensionen der Lehrkraft-Lernenden-Beziehung (z.B. der Zufriedenheit mit der Beziehung) deuten auf weitere Zusammenhänge zu schulischen Kompetenzen im Fach Mathe und Deutsch.